Je älter ich werde desto mehr glaube ich, dass vieles glückliche Fügung ist. Wie 1999 als ich erstmals Zweigelt-Trauben vom Leithagebirge zukaufte, weil wir in Gols zuwenig hatten. Die kamen aus Jois von der Lage Greiner und ergaben einen sehr mineralischen, rassigen und spannenden Wein. Das begann in mir zu ticken und so sah ich mir das Leithagebirge genauer an und entdeckte die unglaubliche, im wahrsten Sinn des Wortes im Boden schlummernde Qualität der Gegend. Einerseits Muschelkalk wie imn der Burgund, der Champagne oder dem rechten Bordeaux-Ufer; außerdem Glimmerschiefer und Quarzit wie im Rheingau, an der Mosel, im Priorato. Mit einer Südostexposition und noch einem riesigen Plus: dem See. Mit seiner riesigen Wasseroberfläche und dem breiten Schilfgürtel wirkt er klimaregulierend und beeinflußt Reife und Aroma auf entscheidende Weise. Die ganze Bodenvielfalt liegt hier dicht an dicht, nebeneinander, ineinander. Teilweise in ein und demselben Weingarten.

Damit war klar, hier sind bemerkenswerte Weine möglich. Mit perfekter physiologischer Ausreifung, Finesse und Mineralität, die ihresgleichen sucht. Vor allem mit dem Blaufränkisch, dessen Trauben (weil spätreifend) lange am Stock bleiben und deshalb den Terroir-Charakter voll entwickeln können. Aber auch beim Weißwein ist dies erkennbar, hier mit Chardonnay (Kalk), Pinot Blanc (Kalk, Schiefer) und Grünem Veltliner (Schiefer). Weil dies aber eine andere Welt ist, als der Golser Stil, behandeln wir die beiden Sphären getrennt voneinander.

Der Blaufränkisch Leithaberg 2007 ist intensiv vom Kalkboden seiner Herkunftslagen Mitterberg, Vorderberg, Blumenstengel und vom Altenberg an den Hängen des Leithagebirges geprägt. Er entstammt dem fantastischen von Wetterextremen geprägten Jahr 2007 und ist voll Finesse, Spannung, tiefer Frucht und Länge wie es sie selten gibt bei 13,0 % Vol. Alk., 6,3 g/l Säure und 1,1 g/l Restzucker.

Er wurde  im kleinen, offenen Holzfass vergoren, 18 Monate im 500 Liter Holzfass (kein neues Holz), danach im großen Holz ausgebaut und im August 2009 gefüllt. Jetzt strahlt er in dunklem, brillanten Rubinrot, zeigt feine Frucht von Kirschen und Beeren, würzige, kühle, mineralische Aromatik, ist am Gaumen dicht, rassig, engmaschig, sehr lang und komplex ausklingend. Er harmoniert bei 16 bis 18 °C wunderbar mit intensiven Wild-, Rind- und Lammgerichten, gleichzeitig ein brillanter Solist, dass man sich das wirklich gut überlegen sollte ob man ihn nicht vor, nach oder anstatt des Essens genießen sollte. Und das noch mindestens für die nächsten 20 Jahre.

Der Chardonnay Leithaberg 2008 stammt aus der Joiser Lage Freudshofer, einem leicht geneigten Südosthang mit lehmigem Muschelkalkboden und ist typisch für das Anfangs kühl-feuchte, dann hitzige Jahr 2008. Er zeigt einen vollen Körper, fruchtige Eleganz und lebhafte Säure bei 13,0 % Vol. Alk., 5,8 g/l Säure und 4,2 g/l Restzucker.

Er wurde 10 Monate im 800 Liter Holzfass auf der Florhefe ausgebaut und im August 2009 abgefüllt. Jetzt präsentiert er sich mit feiner komplexer Frucht, voll am Gaumen, geradlinig und mineralisch mit einem markanten Abgang. Noch ist er ein wenig jung, verrät aber bei 9 bis 11 °C Trinktemperatur schon Ausdauer und Lagerpotential für bis zu 15 Jahre. Ein sehr schöner Begleiter von Fisch, Geflügel und hellem Fleisch.

Der Blaufränkisch Kalk und Schiefer 2007 kommt, wie sein Name sagt, von den Kalk- und Schieferhängen des Leithagebirges. Er entspringt einem hervorragenden Jahr, das eine Finesse zeigt, die sich mit den Ausnahmejahrgängen 1999 und 2004 messen kann. Er ist von eleganter Farbe, feiner Frucht und Mineralität bei 12,9 % Vol. Alk., 6,0 g/l Säure und 0,9 g/l Restzucker.

Er wurde 15 Monate im 500 Liter Holzfass (kein neues Holz) ausgebaut, im November 2008 abgefüllt und ein Jahr auf der Flasche gelagert. Heute zeigt er ein elegantes Rubinrot, ist von feiner Frucht, zart würzig und mineralisch, am Gaumen vollmundig dabei lebhaft und spannend, lang mit schönen Fruchtausklang. Nicht Wucht und Opulenz, sondern Mineralität und Finesse sind es, die ihn auszeichnen und ihn, am besten bei 17 °C Trinktemperatur, zu einem herausragenden Begleiter von mit Rind, Wild oder Lamm machen. Gleichzeitig ist er auch ein herrlicher Solist und das noch mindestens die nächsten 10 Jahre.

Der Grüne Veltliner 2008 kommt von bis zu 20-jährigen Rebstöcken aus der Lage Satzn am Leithagebirge, wo er auf sandigem Lehm mit Glimmerschiefer gedieh. Er ist von abwechslungsreichen  Wetterverlauf seines Ursprungsjahres geprägt, dabei fruchtig, lebhaft und von einer frischen, nervigen Säure bei 11,5 % Vol. Alk., 6,3 g/l Säure und 4,5 g/l Restzucker.

Er wurde spontan vergoren, im Edelstahltank ausgebaut und im April 2009 abgefüllt. Jetzt präsentiert er sich mit feiner, charaktervoller Veltlinerfrucht, ist am Gaumen lebendig und nervig, hat genügend Stoff und einen fruchtigen Abgang. Somit ist er bei bei 8 bis 10 °C ein frischer Begleiter zu Fisch vom See, Geflügel und hellem Fleisch.